Prix de l’Arc de Triomphe 2022

Prix de l’Arc de Triomphe 2022

2. Oktober 2022 - 2.400 Meter, Paris-Longchamp

Vorbericht vom 21. September 2022

Dem deutschen Hengst Torquator Tasso gebührt die Ehre als Titelverteidiger in das bedeutendste Pferderennen der Welt starten zu dürfen. Dort wird er auf ein Feld treffen, in dem kein Gegner wirklich heraussticht. Gleich vier schwer einzuschätzende Pferde aus Japan versuchen, als Erste den Arc für ihre Heimat zu gewinnen.

Luxembourg wird in einem ungewohnt unruhigen Wettmarkt von vielen Buchmachern als Arc-Favorit geführt, und das sicherlich nicht zu Unrecht. Der von Aidan O'Brien trainierte dreijährige Camelot-Sohn hat fünf seiner sechs Starts gewonnen und galt lange als Favorit für das Epsom-Derby, konnte dort aufgrund von Muskelproblemen aber nicht antreten. Nach überstandener Verletzung setzte er am 10. September ein deutliches Zeichen, gewann die Irish Champion Stakes vor dem Jockey Club-Gewinner Vadeni und dem Grand Prix de Paris-Sieger Onesto. Bislang ist Luxembourg allerdings nie weiter als 2.012 Meter gelaufen, weshalb auch nicht endgültig klar ist, ob er überhaupt im Prix de l’Arc de Triomphe 2022 antreten wird.

Alpinista ist eine in Deutschland bestens bekannte Stute, hatte dort im letzten Jahr den Großen Preis von Bayern und den Preis von Europa gewonnen, zuvor Torquator Tasso im Großen Preis von Berlin bezwungen. Waren diese Leistungen international nicht auf allzu viel Beachtung gestoßen, avancierte die Fünfjährige in dieser Saison zu den Arc-Favoritinnen, nachdem sie den Grand Prix de Saint-Cloud und danach die Yorkshire Oaks für sich entschieden hatte. Sie ist nun seit sieben Rennen ungeschlagen und wird mit der nötigen Frische in den Prix de l’Arc de Triomphe gehen, hat sie in diesem Jahr doch erst zwei Rennen absolviert.

Torquator Tasso unterlag Alpinista letztes Jahr im August in Berlin, begann dann aber einen nie für mögliche gehaltenen Erfolgslauf. Im September gewann er den Großen Preis von Baden, triumphierte dann im Oktober völlig überraschend als 69:1 Außenseiter im Arc 2021. Viele führten diesen sensationellen Erfolg des deutschen Hengstes vor allem auf das schwere Geläuf in Paris-Longchamp zurück, weshalb Torquator Tasso für den Prix de l’Arc de Triomphe 2022 zunächst wieder zu hohen Quoten zu haben war. Doch der fünfjährige Adlerflug-Sohn strafte seine Kritiker Ende Juli in Ascot Lügen. Erneut völliger Außenseiter, blieb er in den King George Stakes weit vor favorisierten Pferden wie dem Irish Derby-Sieger Westover, der Epsom Oaks-Zweiten Emily Upjohn oder dem frischen Hardwicke Stakes-Sieger Broome, scheiterte nur an dem noch größeren Außenseiter Pyledriver, der wegen einer Verletzung nicht im Arc starten kann. Torquator Tassos' Generalprobe misslang dann dennoch. Am 4. September schaffte er es nicht, seinen Titel im Großen Preis von Baden zu verteidigen, unterlag Mendocino mit einem Kopf. Dieses Rennen war allerdings extrem langsam gelaufen worden, was für ein Speedpferd wie Torquator Tasso alles andere als optimal ist.

Titleholder gehört an den Wettmärkten zu den Favoriten. Er gewann 2022 in Japan alle drei Starts, nach dem Tenno Sho (Spring) zuletzt auch das Takarazuka Kinen gar in neuer Rekordzeit. Dennoch wird der vierjährige Duramente-Sohn bei den Buchmachern vielleicht etwas überschätzt, denn abgesehen von seiner diesjährigen Frühform hat er in Japan nicht viel vorzuweisen. An Weihnachten wurde er im Arima Kinen nur Fünfter, war zuvor auch im japanischen Derby ohne Chance. Der Frontrunner wird vor dem Arc keinen Start in Europa absolvieren und geht aus einer mehr als drei Monate langen Pause ins Rennen.

Do Deuce gewann im Mai das japanische Derby in neuer Rennrekordzeit. Direkt danach erklärte sein Besitzer Masaaki Matsushima, dass er den Derbysieger nun im Prix de l’Arc de Triomphe von der Jockey-Legende Yutaka Take reiten lassen wird. Beim ersten Auftritt in Europa landete Do Deuce am 11. September beim Prix Niel in Paris nur auf dem vierten Platz. Es war jedoch sein erster Start nach viermonatiger Pause, weshalb man im Arc eine bessere Leistung erwarten kann. Vielleicht gelingt es dem Heart‘s Cry-Sohn, als erstem japanischen Pferd den Arc zu gewinnen. Japanische Pferde konnten in jüngerer Vergangenheit international für Aufsehen sorgen, gewannen mehrere Rennen beim Dubai World Cup Meeting und dem Breeders' Cup in den USA.

Onesto ist vielleicht die größte Hoffnung der Gastgeber. Der dreijährige Frankel-Sohn hatte im Mai den Prix Greffulhe gewonnen, wurde über 2.100 Meter im Prix du Jockey Club nur Fünfter, siegte dann aber im Grand Prix de Paris über 2.400 Meter in Paris-Longchamp. In den Irish Champion Stakes sah er am 10. September schon fast wie der Sieger aus, wurde von Luxembourg aber noch um eine halbe Länge niedergekämpft, landete aber vor dem Jockey Club-Sieger Vadeni.

Vadeni ist als Sieger des Prix du Jockey Club und der Eclipse-Stakes natürlich auch im Arc eine Hausnummer. Sein jüngster Auftritt in den Irish Champion Stakes, in die er als Favorit startete, war allerdings nicht gerade eine Empfehlung. Zwar wurde er keine zwei Längen hinter Luxembourg Dritter, doch hatte er letztlich mit der Entscheidung nichts zu tun und ist bisher auch nie weiter als 2.012 Meter gerannt. Trainer Jean-Claude Rouget hatte zuletzt noch ausgeschlossen, dass sein Aga Khan-Hengst im Arc antreten würde, doch entschied man sich nun kurzfristig anders, will die 120.000 Euro für die Nachnennung bezahlen und den Churchill-Sohn im Prix de l’Arc de Triomphe laufen lassen, sollte der Boden nicht zu durchlässig sein.

Westover ist der aktuelle Irish Derby-Sieger, der zuvor im Epsom Derby, nach extrem ungünstigem Rennverlauf, den dritten Platz belegt hatte. Mit diesen Vorschusslorbeeren ging der Frankel-Nachkomme als Favorit in die erwähnten King George Stakes, landete dort aber fünfzehn Längen hinter Torquator Tasso. Als Entschuldigung wurde angeführt, er habe, zusammen mit Broome, das Rennen an der Spitze viel zu schnell gestaltet. Nach diesem Desaster erhielt Westover eine längere Pause und geht ohne weiteres Vorbereitungsrennen in den Prix de l’Arc de Triomphe, wo er in Normalform keinesfalls unterschätzt werden sollte.

Adayar lief im letztjährigen Arc als zweiter Favorit auf den vierten Platz. Er hatte zuvor das Epsom Derby 2021 und die King George Stakes gewonnen. Trainer Charlie Appleby ließ seinen Frankel-Sohn in diesem Jahr aus ungenannten Gründen lange im Stall. Erst am 8. Septmber zeigte er sich wieder auf einer Rennbahn, gewann ein biederes Rennen in Doncaster leicht. Natürlich ist es unmöglich zu sagen, in welchem Zustand sich der Godolphin-Hengst befindet. Doch sollte er in der Form des letzten Jahres nach Paris kommen, wäre er in einem nicht gerade überragend besetzten Arc 2022 sicherlich als Sieger vorstellbar. Alternativ zum Arc könnte Adayar auch am 15. Oktober in den Champions Stakes in Ascot laufen.

La Parisienne wäre mit diesem Namen eine orginelle Siegerin in Paris-Longchamp. Die dreijährige Pariserin hat in ihrem Leben überhaupt erst fünf Rennen bestritten, überraschte im Juni als völlige Außenseiterin als knapp geschlagene Zweite im Prix de Diane. Nach einer dreimonatigen Pause unterlag sie nun wieder knapp im Prix Vermeille, dennoch machte die Zarak-Tochter daraufhin an den Wettmärkten einen gewaltigen Satz nach oben. Lange eingeklemmt hatte sie im Vermeille mehrfach abstoppen müssen und war erst kurz vor dem Ziel freigekommen, hätte diese Stutenprüfung bei einem besseren Rennverlauf vermutlich gewonnen.

Al Hakeem, wie Vadeni von Jean-Claude Rouget trainiert, dürfte der dritte dreijährige französische Hengst im Prix de l’Arc de Triomphe 2022 werden. Den Prix du Jockey Club hatte er gleichauf mit Onesto auf Rang 4 beendet, dann beim einzigen anschließenden Start in Deauville den Prix Guillaume d'Ornano gewonnen. Man könnte den Siyouni-Sohn also auf einer Ebene mit Oneso sehen, am Wettmarkt bekommt man für ihn jedoch weit höhere Quoten.

Hurricane Lane startete nach Siegen in den Dante Stakes, dem Irish Derby, dem Grand Prix de Paris und dem St Leger als Favorit in den letztjährigen Prix de l’Arc de Triomphe, wo er knapp geschlagen Dritter wurde. Der Arc ist bei dem von dem Stallgefährten von Adayar auch in diesem Jahr das erklärte Ziel. Anders als im Vorjahr wurde er in dieser Saison erst zweimal eingesetzt, die Ergebnisse waren jedoch äußerst enttäuschend. Beim Jahresdebüt am 18. Juni blieb der Frankel-Sohn in den Hardwicke Stakes weit hinter Broome, beim Grand Prix de Saint-Cloud endete er sogar nur auf Rang acht. Ein geplanter Start im Prix Foy wurde nicht wahrgenommen, so dass auch Hurricane Lane aus einer längeren Pause in den Arc gehen würde.

Tuesday gewann am 3. Juni, an ihrem dritten Geburtstag, die Epsom Oaks und versuchte sich anschließend im Irish Derby gegen die Hengste, wo die Galileo-Tochter aber zehn Längen hinter Westover das Ziel erreichte. In den Yorkshire Oaks lieferte sie Alpinista dann einen großen Kampf, endete schließlich aber eine Länge hinter ihr. Enttäuschend dann auch ihr Laufen im Prix Vermeille, den sie nur auf Rang vier beendete.

Emily Upjohn hätte eigentlich auch in den Yorkshire Oaks laufen sollen, ließ dieses Rennen aber aus, um für eine Herbst-Kampagne fit zu sein. Die dreijährige Sea The Stars-Tochter war nach drei Siegen in Folge als klare Favoritin in die Epsom Oaks gegangen, versäumte sich aber am Start und unterlag Tuesday in einem packenden Finale mit einer "Nase". Anschließend folgte dann aber ein niederschmetternder letzter Platz in den King George Stakes. Seither hat Emily Upjohn kein Rennen mehr bestritten.

Verry Elleegant ist nach elf Jahren wieder eine Arc-Teilnehmerin aus Australien. Die siebenjährige Stute hatte im letzten Jahr den Melbourne Cup gewonnen und wurde diesen Sommer nach Europa entsandt, wo sie von Francis Graffard in Frankreich trainiert wird. Beim ersten Auftritt in Europa schaffte sie es im Prix Jean Romanet (2.000 m) in Deauville nur auf den fünften Platz. Vielversprechender dann ihr Laufen am 11. September im Prix Foy (2.400 m), den sie überraschend von der Spitze aus anging und am Ende nach großem Kampf knapp geschlagene Dritte wurde. Die in Neuseeland gezüchtete Stute wurde für 120.000 Euro nachgenannt.

Mendocino gewann am 4. September überraschend den Großen Preis von Baden und wird als Bezwinger von Torquator Tasso nun auch im Arc Beachtung finden. In dem viel größeren Feld in Paris wird das Rennen jetzt aber deutlich schneller gelaufen werden, nicht nur deshalb wird der von Sarah Steinberg in München trainierte Adlerflug-Sohn zu den Außenseitern gehören. In dem ebenfalls sehr langsam gelaufenen Großen Preis von Bayern war er Ende letzten Jahres nur knapp hinter Alpinista eingelaufen.

Mare Australis passierte am 5. Juni bei seinem Sieg im Grand Prix de Chantilly die Ziellinie vier Längen vor Mendocino. Der Rest der Saison verlief für den Schlenderhaner dagegen enttäuschend. Nicht nur bei seinem letzten Start, in dem von Alpinista gewonnenen Grand Prix de Saint-Cloud, war er ohne Chance. Er wird nun ohne Vorbereitungsrennen in den Prix de l’Arc de Triomphe gehen. Der Australia-Sohn hatte im letzten Jahr lange zu den Arc-Mitfavoriten gehört, nachdem er im Mai den Prix Ganay gewonnen hatte, musste aufgrund einer Fesselkopf-Verletzung den Rest des Jahres dann aber aussetzen. Sein französischer Trainer André Fabre hat den Prix de l’Arc de Triomphe schon achtmal gewonnen.

Deep Bond gewann im Vorjahr den Prix Foy vor Broome und Skalleti, woraufhin er mit einigen Erwartungen in den Prix de l’Arc de Triomphe geschickt wurde, dort aber nur Letzter wurde. Zurück in seiner japanischen Heimat lief er im Arima Kinen auf den zweiten Platz, zwei Längen vor Titleholder, dem er in diesem Jahr aber zweimal unterlag.

Stay Foolish ist ebenfalls für den Arc vorgesehen, er wäre nach derzeitigem Stand der vierte Starter aus Japan. Der bereits sieben Jahre alte Stay Gold-Sohn ist ein ausgewiesener Steher. Zu Beginn des Jahres gewann er in Saudi-Arabien das Red Sea Turf Handicap über 3.000 Meter, setzte sich einen Monat später auch im Dubai Gold Cup (3.200 m) durch. Zurück in Japan war er dann jedoch weniger erfolgreich, endete im Takarazuka Kinen nur auf Rang neun. Bei seinem ersten Auftritt in Europa landete er am 28. August im Grand Prix de Deauville auf dem zweiten Platz.


Der Prix de l’Arc de Triomphe ist mit einem Preisgeld von fünf Millionen Euro das höchstdotierte Pferderennen in Europa und gilt als das bedeutendste der Welt. In den letzten 72 Austragungen gelang es nur drei Pferden, die älter als vier Jahre alt waren, den Arc zu gewinnen (Star Appeal 1975, Marienbard 2002, Waldgeist 2019).

MyStake


© 2012 - 2022 Copyright    Datenschutz    Impressum    begambleaware begambleaware